Herr Wilson
Freitag, 27. Februar 2015
Kleine und große Zeilen der Popmusik, 2
wilson.3d, Freitag, 27. Februar 2015, 10:54
Ich liebe Dich. Das sagt sich leicht.
Wesentlich schwerer könnte die Beantwortung der Frage Warum eigentlich? fallen.
Warum liebst Du mich eigentlich?

Erfreulicherweise wird man in den seltensten Fällen mit dieser Frage konfrontiert. Zum einen mag das an der Freude über den Umstand, geliebt zu werden, liegen; zum anderen, dass man die Antwort gar nicht hören will.

Die Popmusik indes hält einige Antworten für uns bereit:
Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Von dieser Antwort rate ich Ihnen ab.
Du bist alles, was ich habe auf der Welt. Die Mitleidstour.
Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. Für Egomanen und Umtauscher.
Nur die Liebe lässt uns leben. Schon besser.

Mitunter empfiehlt sich Süßholz raspeln: Du bist klug, schön, intelligent, humorvoll, fürsorglich . . . Führen Sie das fort. Sie können das vermutlich besser als ich.

Es gibt diese alte Redensart. Ehrlich währt am längsten.
I love you. You pay my rent.
Rent, Pet Shop Boys.
Ich liebe Dich. Du zahlst meine Miete.

Diese entwaffnende Ehrlichkeit mag Ihnen nicht gedankt werden. Es wird Sie vor weiteren Fragen verschonen.

Ebenfalls von den Pet Shop Boys:
You only tell me you love me when you´re drunk.
Trinken Sie in Maßen!

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Montag, 23. Februar 2015
Kleine und große Zeilen der Popmusik
wilson.3d, Montag, 23. Februar 2015, 11:14
Lassen Sie uns über Popmusik sprechen.

Ich mag Musik. Melodie und Rhythmus. Und Text?
Die Popmusik, der ich gerne lausche, ist meist englischsprachig. Mein Englisch ist ein nicht gepflegtes Schulenglisch. Es bröckelt mit den Jahren; so wie auch der Lack meines Äußeren bröckelt.

Und so stehen bei meiner Art Musik zu hören tatsächlich Melodie und Rhythmus im Vordergrund. Den Texten zu folgen, diese zu verstehen, ist mir nicht immer vergönnt. Beim Mitsingen der Lieder führt das mitunter dazu, dass aus dem Text ein Potpourri von Wortfetzen wird, welches nicht immer etwas mit der ursprünglichen Intention des Texters gemein haben muss.
Es reduziert sich auf Schlagworte.
Vergleichbar mit Reden, die Einzug in die Geschichtsbücher gefunden haben. Es bleiben die Schlagworte. Das kann bisweilen auch die Kernaussage sein. Muss es aber nicht.
Wer erinnert sich schon an das, was ansonsten gesagt wurde?!
Kennedy vorm Schöneberger Rathaus. Ich bin ein Berliner. Martin Luther King. I have a dream. Neil Armstrong auf dem Mond. Kleine Schritte, große Wirkung. Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass … Grölende Menge. Johnnie Walker ist mein bester Freund … Grölende Menge.

Es gab und gibt sicherlich große Texter unter den Barden. Bob Dylan soll so einer sein. Nicht meine Musik, die Herr Dylan macht. Nuschelig, nölig und zauselig. Liegt vielleicht auch daran, dass es nicht meine Zeit war. Bei „Hurricane“ habe ich zugehört.
Bowies „Heroes“ hat mich angesprochen. Berlin, die Mauer im Rücken war kalt. So kalt.

So bleiben von Dreieinhalb-Minuten-Liedern oft nur Wortfetzen in Erinnerung, obwohl sich Texter bisweilen große Mühe geben, eine Botschaft – man spricht heute wohl eher von message – ans Volk zu richten. Born in the USA. Mitunter fehlinterpretiert.
Das passiert bei deutschsprachigen Titeln eher selten. Die Kernaussage Du kannst nicht immer 17 sein birgt philosophisches Potential. Der restliche Text kann dieses Niveau nicht halten. Das geht mir mitunter auch so.

In einer losen Folge möchte ich an einige kleine und große Zeilen – nun ja, ich halte Sie für gelungen und mir sind sie in Erinnerung geblieben – der Popmusik erinnern.

Hope I die before I get old

Das sagt sich so leicht, wenn man jung und unbedarft ist. „My Generation“, The Who.
Pete Townshend hat den Text geschrieben. Mit 20 Jahren. Im Mai wird Townshend seinen 70. Geburtstag feiern.
Ich besuchte Mitte der 2000er Jahre ein Konzert seiner Truppe – nur Roger Daltrey und Townshend sind übrig geblieben – in Berlin. Sie spielten diesen Song auch an diesem Abend, lachten sich wahrscheinlich die runzligen Falten glatt, als sie nach dem Konzert das Geld der Abendkasse zählen ließen und freuten sich, dass sie nicht gestorben sind, bevor sie alt wurden. So wie Bassist John Entwistle und Schlagzeuger Keith Moon. Von beiden ist nicht überliefert, ob sie nicht doch lieber einige Jährchen drangehängt hätten. Auf dem Cover vom End-70er-Album „Who Are You“ hockt Moon auf einem Stuhl mit der Aufschrift „Not to be taken away“. Es war sein letztes Album. Kurze Zeit später wurde er vom Sensenmann abgeholt. Sein Lebensstil soll über das Klischee des Rockstars hinaus ausschweifend gewesen sein.
Andere wiederum halten Sex and Drugs and Rock and Roll möglicherweise jung. Ich kann da nicht mitreden.

Auf Hey hey Wiki, hey Wiki hey steht zu lesen, dass für Townshend zur Entstehungszeit von „My Generation“ old sehr reich bedeutet habe.
Irgendwie habe ich den Verdacht, Townshend kann heute mit der nötigen Portion Altersmilde und Altersweisheit dem Umstand, alt und sehr reich geworden zu sein, einiges abgewinnen.
Ich könnte es. Ein Rebell wie Townshend war ich ohnehin nie.

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